Interview mit Daniel Gebhardt, dem neuen Präsidenten des baslerbauforum

 

Wer ist Daniel Gebhardt?
1960 wurde ich als Sohn einer Kleinunternehmerfamilie in Basel geboren.
Durch das Elektroinstallationsunternehmen meines Vaters kam ich bereits als Bub laufend mit dem Bauen in Kontakt.

Nach der Matura am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium und der Rekrutenschule begann ich ein Architekturstudium an der ETH in Zürich, welches ich nach zwei Semestern abbrach, um auf ein Jus Studium in Basel umzusatteln. Das Studium schloss ich 1987 ab. Das Anwaltsexamen folgte nach verschiedenen Praktika im Jahr 1990.

Seit Beginn meiner Anwaltstätigkeit liegt der Schwerpunkt auf dem Bau- und Planungsrecht – Scheidungen habe ich in meinen Berufsleben höchstens drei betreuen müssen. Mit der Übernahme des Mandats als Beauftragter für Rechtsfragen des Projekts Nordtangente im Jahr 1991 schloss sich der Kreis zum Bauen sofort wieder. Etwa seit 1995 bin ich zu 100% Bau- und Planungsrechtler im öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Bereich. Im Jahr 2012 kam die neu eingeführte Ausbildung der Uni Fribourg zum Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht hinzu. Ich bin seit 1999 Partner in der wirtschaftsorientierten Anwalts- und Notariatskanzlei NEOVIUS AG in Basel. Die Betreuung grösserer Bauvorhaben, und zwar von der strategischen Phase an bis zur Inbetriebnahme, sind meine Lieblingsmandate.

Und Daniel Gebhardt privat?
Ich bin verheiratet und habe einen 21-jährigen Sohn. Wenn es meine Zeit erlaubt gehe ich einem meiner vielen Hobbies nach. Dazu gehören guter Wein und Essen, aber auch Architektur und Wohnen. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit auch gerne mit Kunst, Fotografieren, Gärtnern und Musik hören. Zu meinen sportlichen Freizeitaktivitäten zählen Tennis, Skifahren und Joggen.

Daniel, du hast per Anfang 2019 das Präsidium von Oliver übernommen, was soll sich ändern, welche Akzente möchtest du als Bauanwalt setzen, was soll gleichbleiben?
Zunächst erfüllt es mich mit Stolz und Freude, dass der Vorstand einstimmig der Überzeugung war, ich solle dieses ehrenvolle Amt übernehmen. Entsprechend gerne habe ich zugesagt.
Ich bin mir allerdings der grossen Herausforderung bewusst. Die Amtsführung von Oliver Scheidegger ist unüber trefflich. Deshalb besuche ich seit meiner Nomination einen Moderatorenkurs beim Schweizer Fernsehen. Im Ernst: Man kann es nur anders, aber nicht besser machen, und man muss dabei sich selbst bleiben. Ich danke Oliver an dieser Stelle einmal mehr für seine hervorragende Präsidentschaft und seine absolut souveränen und denkwürdigen Auftritte.

Dabei ist allerdings nicht zu vergessen, dass der Vorstand des bbf sehr stark und reibungslos als Team funktioniert. Und so werden auch die Ausrichtung und Themen des bbf bestimmt. Es ist der Vorstand, der dem bbf den Stempel aufdrückt, nicht der Präsident.

Was ich mir indessen vorstellen kann, ist die Festlegung eines jährlichen Schwerpunktthemas. Der Umstand, dass ich «Bauanwalt» bin und von gewissen Protagonisten gewissermassen als «notwendiges Übel» im Bauzirkus wahrgenommen werde, spielt für das Amt eine untergeordnete Rolle. Ich habe Freude am Bauen, ob es nun um Ingenieur- oder Architektenbaukunst geht. Das ist meine Motivation.

Wie soll sich das bbf entwickeln?
Ich würde mir wünschen, dass das bbf bisweilen zu politischen Themen öffentlich Stellung bezieht. Es muss dies aber mit Zurückhaltung und unter weitgehender Wahrung seiner Neutralität tun. Ganz generell freut es mich zu spüren, dass das bbf zu einem wichtigen Mitspieler im regionalen Raumplanungs- und Baubereich geworden ist. Diese Stellung gilt es in den nächsten Jahren weiter auszubauen.

Ich erwarte, dass uns die Veränderungen im Bereich der Mobilität in den nächsten Jahrzehnten vor raumplanerische Aufgaben stellen werden, die wir heute kaum abschätzen können. Aus diesem und aus ander en Gründen wird sich das bbf in Zukunft bisweilen in gesellschaftliche Themen «einmischen» müssen, weil diese für unseren Bereich, das Bauen, relevant sind.
Die von den Gründern des bbf vor gegebene Mitgliederzahl soll beibehalten werden. Wir gewinnen nicht durch Grösse, sondern nur durch die Persönlichkeit unserer Mitglieder.

Wie siehst du die Aufgaben des Vorstands?
Der Vorstand sollte möglichst heterogen zusammengesetzt sein. Wir müssen kontrovers diskutieren können. Wer im Vorstand ist, muss auch bereit sein, tatkräftig bei der Organisation von Anlässen mitzuwirken. Hierfür ist eine gewisse Minimalgrösse notwendig. Wir sollten noch ein bis zwei Personen dazunehmen und den Frauenanteil steigern, damit unterschiedliche Denkansätze eingebracht werden.

Was sind die bbf Themen des 2019?
Zuerst würde ich gerne die unterschiedliche Ausrichtung der einzelnen Anlässe diskutieren. Während am Frühjahrsanlass Information zu einem Thema vermittelt werden sollen, dient das Podium und auch der Herbstanlass den konträren Diskussionen von aktuellen Themen.
In diesem Jahr werden wir uns mit den Themen Richtplanung, Wohnen und Mobilität befassen.

Das Interview mit Daniel Gebhardt führte Regula Ruetz, Vorstandsmitglied des baslerbauforum